Physiologie

Physiologie des Sehens bei Hund und Katze


Wie sehen Hund und Katze ihre Umgebung

Fest steht, sie nehmen sowohl ihre nähere, als auch ihre weitere Umgebung optisch so wahr, wie es die Evolution und die Erfordernisse eines Lebens in der freien Wildbahn, einer adäquaten Ernährung und nicht zuletzt ihres Sozialverhaltens im Rudel oder einer Lebensgemeinschfat erforderten. Es wäre auch nicht nachvollziehbar, dass die Natur eine Tierart im Laufe der Evolution nicht so mit Sinnesorganen ausgestattet hätte, wie es das Überleben der Art und die Adaptation an seinen Lebensraum notwendig machte. Eine Katze hat beispielsweise die grösten Augen aller Tiere im Verhältnis zu ihrer Körpergrösse.
Ausserdem wird häufig übersehen, welche grosse Rolle das Sehen für Hund und Katze in der Kommunikation mit uns Menschen spielt. So weiss jeder, der eine Katze/einen Hund in seinem Haushalt hat, wie präzise Hund und Katze gelernt haben, unseren Gesichtsausdruck (auch ohne Worte) zu lesen und zu interpretieren.

Farbsehen

Man muss davon ausgehen, dass Hund und Katze (ev. leicht eingeschränkt trichromatisch) ihre Umgebung nicht viel anders sehen als wir Menschen (trichromatisch). Wahrscheinlich kann die Farbe ROT aus dem Spektrum des sichtbaren Lichts nicht ganz so gut wie beim Menschen wahrgenommen werden, hingegen wird BLAU und  genauso von der der Netzhaut bei Hund und Katze verarbeitet, wie bei uns Menschen.

So sieht der gesunde Mensch die farbigen Spielfiguren


Das trichromatische Farbspektrum des Menschen
und das dichromatische Farbspektrum von Hund und Katze

So sehen Hund und Katze die farbigen Spielfiguren

Der fehlende Rotanteil beim Sehen stellt aber für das Hund und Katze nicht wirklich eine Einschränkung dar. Für sie bestand offensichtlich in der Entwicklung des Auges kein Bedarf, die Farbe Rot von anderen Farben deutlich unterscheiden zu müssen, denn weder für ihre Ernährung (Beutetiere) noch für die Orientierung bestand während der Evolution eine zwingende Notwendigkeit, die Farbe Rot differenzieren zu können.

Besonderheiten bei Hund und Katze

Gesichtsfeld

Wichtig sind und waren in der Vergangenheit für den Wolf als Vorfahren des Hundes und die Katze als Jäger die gute Rundumsicht und das schnelle Erkennen von Bewegungen, um mögliche Beute schon von weitem bemerken zu können. So erlaubt die frontale Anordnung der Augen sowohl eine gute Rundumsicht (Katzen haben z. B. eine Gesichtsfeld von ca 220 Grad!), als auch die Fähigkeit, dreidimensional (stereoskopische) Abstände und Tiefe abschätzen zu können, was besonders beim Sprung (Beutefang) von grosser Wichtigkeit ist.

Weitsichtigkeit- Kurzsichtigkeit

Messungen und wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass Hund und Katze einen Visus von 1,1 bis 1,2 haben (normalsichtige Menschen haben einen Visus von 1,0). Dabei gilt, je kleiner der Zahlenwert, umso besser der Visus! Zum Vergleich: Ein Greifvogel hat einen Visus von 0,4.
Hund und Katze haben offensichtlich ein vergleichbar gutes Sehvermögen wie wir Menschen. Natürlich findet man auch, obwohl eher selten, bei einzelenen Hunden und Katzen Abweichungen von der physiologischen Norm, also kurz- oder weitsichtige Tiere. Brauchen diese Tiere dann eine Brille?
Nein, ganz sicher nicht, denn die gemessenen Fehlsichtigkeiten bewegen sich im Bereich von +/- 1,5 Dioptrien. Für das Lesen eines Buches wäre es vielleicht störend, für einen Hund oder eine Katze aber eher von untergeordneter Bedeutung.
Weniger als drei Prozent aller untersuchten Tiere zeigten bei den Messungen eine stärkere Fehlsichtigkeit, konnten diese aber im täglichen Umgang sehr gut kompensieren.

Akkomodation

Einen positiven Effekt auf geringradige Fehlsichtigkeiten hat beim Menschen die Fähigkeit des Menschenauges: zur Akkomodation, d. h. die Fähigkeit der Linse, im Auge durch Gestaltveränderung Abweichungen bis zu einem gewissen Grad auszugleichen. Hunden und Katzen fehlt die Fähigkeit zur Akkomodation (wie vielen anderen unserer Haustiere auch) aber vollständig.

Dämmerungssehen

Eine weitere Besonderheit der visuellen Fähigkeiten bei Hund und Katze zeigt sich beim Verhalten der Netzhaut hinsichtlich der Fähigkeit des Auges auch bei schwachen Lichtverhältnissen noch hervorragend sehen zu können.
Die Ursache dafür ist einerseits darin zu suchen, dass Hund und Katze einen sehr viel höheren Anteil von Stäbchen als Zapfen in der Netzhaut haben, andererseits findet sich im oberen Anteil der Netzhaut das sogenannte „Tapetum (lucidum)“. In diesem Bereich finden sich Einlagerungen kristallähnlicher Strukturen in die Aderhaut, wodurch das einfallende Licht nach der ersten Passage der Nervenzellen in der Netzhaut noch einmal reflektiert wird und dann zu einer erneuten Erregung der Photorezeptoren beiträgt, wodurch ein Lichtverstärkungseffekt ähnlich einem Nachtsichtgerät entsteht.
Diesen Effekt kennt man, wenn man nachts einmal einen Hund oder eine Katze mit einer Lampe angeleuchtet hat, oder auf der Strasse ein Hund vom Scheinwerfer des Autos erfasst wird.

Reflektierende Netzhaut

Reflektierende Netzhaut