Netzhaut

Netzhaut (retina)


Bei Hund und Katze besteht die Netzhaut (retina) aus einem inneren- und einem äusseren Blatt. Das Innenblatt kann (funktionell) in drei Hauptschichten unterteilt werden: Ganglienzellen, Schaltzellen und die Photorezeptoren (Stäbchen und Zapfen). Auf Grund dieses Aufbaus muss muss einfallendes Licht erst sämtliche Schichten durchdringen, bis es die Photorezeptoren erreicht!

Das Innenblatt bildet den sensorischen Anteil der Netzhaut, der am Übergang zum Ziliarkörper (ora ciliaris retinae) seinen Anfang nimmt und bis zur papilla optica (syn. discus opticus) reicht, um dort in den n. opticus überzugehen. Die Photorezeptoren sind an der Außenseite des Innenblattes gelegen, und ihre äußeren Segmente liegen im Pigmentepithel eingebettet, ohne mit ihm verbunden zu sein. Die Netzhaut wird durch den Gegendruck des Glaskörpers und des Kammerwassers in ihrer Position gehalten.

Bei erhöhtem Blutdruck, fehlendem Gegendruck durch den Glaskörper, Zug an der Netzhaut durch Glaskörperveränderungen, Löchern in der Netzhaut oder bei Entzündungen/Flüssigkeitsansammlungen zwischen Photorezeptoren und Pigmentepithel kann sich das Innenblatt der Netzhaut vom Aussenblatt lösen (Netzhautablösung, ablatio retinae, ammotio retinae).
Das Außenblatt besteht aus dem Pigmentepithel, welches sich von der Papille über den Ziliarkörper, die Irishinterfläche bis zum Pupillarrand und teilweise auch bis zur Irisvorderfläche erstreckt. Die Bruch’sche Membran verbindet das Pigmentepithel mit der Aderhaut (chorioidea). Das Retinapigmentepithel bildet auch die sogenannte Blut-Netzhaut-Schranke und ist durch seine enge Verbindung mit den Außensegmenten der Photorezeptor vor allem für den Stoffwechsel und Abtransport abgestoßener Membranscheiben der Außensegmente und die Resynthese des Sehfarbstoffes (Rhodopsin) verantwortlich.
Die Netzhaut ist bei den meisten Tieren zentral etwa 225 µm dick und nimmt zur Peripherie hin bis auf 100 µm ab.
Die Photorezeptoren werden in Stäbchen (schlank) und in Zapfen (plump) eingeteilt. Die Stäbchen sind für das Sehvermögen im Dämmerlicht verantwortlich (skotopisches Sehen) und reagieren sehr empfindlich auf Bewegungsreize. Die Zapfen sind weniger lichtempfindlich und sind hauptsächlich für das Farbensehen und das Erkennen von Details notwendig. (photopisches Sehen). An der Stelle des schärfsten Sehens (area centralis), temporal der Papille, ist die größte Konzentration von Zapfen zu finden (Farbensehen siehe Physiologie) Hunde und Katzen besitzen eine große Dichte an Stäbchen (2,5-mal so viel wie Primaten) und sind daher eigentlich Nachttiere. Die Verteilung der Stäbchen und Zapfen in der Netzhaut ist nicht gleichmäßig. Zur Peripherie hin sind die Stäbchen zahlenmäßig überlegen, so dass sie im Dunkeln bei weit geöffneter Pupille gut von den einfallenden Lichtstahlen erreicht werden.
Die äußeren Segmente (der Stäbchen und Zapfen) sind in das Pigmentepithel eingebettet und werden von der Aderhaut mit Energie versorgt. Bei einer Netzhautablösung funktionieren daher die Photorezeptoren anfänglich noch gut (also auch der Pupillarreflex), sterben jedoch auf Grund des Sauerstoffmangels und der fehlenden Metaboliten schnell ab.
Bei der Stimulation der Retina durch Licht kommt es zu einer Reihe photochemischer Reaktionen, welche zu Potentialänderungen führen. Licht, welches die Photorezeptoren erreicht, führt zu einem Zerfall des Sehpigments, das in den Scheiben der Stäbchen, bzw. in den Membraneinziehungen der Zapfen liegt. Der Grad dieses Zerfalls hängt von Intensität, Dauer und Wellenlänge des Lichtreizes ab. Sehpigmente sind Substanzen, die einen Teil des sichtbaren Lichtes absorbieren können. Sie setzen sich aus einem karotenoiden Teil, dem 11-cis-Retinal, und einem Proteinteil (Opsin) zusammen. Die Sehpigmente können aufgrund ihrer Absorptionsspektren unterschieden werden. Am besten untersucht ist das Rhodopsin der Stäbchen. Photorezeptoren reagieren auf Lichtstimulation mit einer Potentialänderung, einer Hyperpolarisation. Diese Potentialänderungen werden an die nachgeschalteten Neuronen weitergeleitet.

Augenhintergrund eines scharzen Labrador

Augenhintergrund eines schwarzen Pudels

Augenhintergrund eines Australien Shepherd

Bei der Betrachtung/Untersuchung des Augenhintergrundes (Fundus) können farblich starke Unterschiede je nach Hunderasse/Katzenrasse und Fellfarbe ausgemacht werden. Der dominierende Farbeindruck rührt hauptsächlich von der Art der Kristalle, die hinter der Netzhaut in die Schicht des tapetum lucidum eingelagert ist und von der Menge des eingelagerten Pigments im Retinapigmentepithel ab. Das tapetum lucidum kann, ebenso wie das Pigment des Retinapigmentepithels, partiell oder komplett fehlen. Dann erscheint der Augenhintergrund hauptsächlich rot.