Linse

Linse (lens crystallina)

Die Linse beim erwachsenen Hund/der erwachsenen Katzeist ein vollkommen transparentes, bikonvexes, elastisches intraokuläres Organ. Sie ist Teil des dioptrischen Apparates des Auges und sorgt zusammen mit der Hornhaut dafür, dass einfallende Lichtstrahlen fokussiert zur Netzhaut geleitet werden. Die Linse hat bei Hund und Katze einen Durchmesser von ca. 9–14 mm und ist ca. 6–8 mm dick.
Eine Linse besteht zu zwei Drittel aus Wasser, zu einem Drittel aus Proteinen und zu einem sehr geringen Anteil aus Mineralien, Kohlenhydraten und Lipiden. Die Linse wird von einer Kapsel umgeben, die an der Vorderseite dick und fest (sie nimmt während des Lebens noch an Dicke zu), an der Rückseite jedoch sehr dünn und fragil ist. Die Zonulafasern, mit denen die Linse an der Pars plicata des Ziliarkörpers zentrisch hinter der Iris fixiert ist, setzen 360 Grad am Linsenäquator an. Die Akkomodationsfähigkeit der Linse bei Hund und Katze ist im Gegensatz zum Menschen sehr gering/nicht vorhanden ist. Die Verbindung zwischen Glaskörper und hinterer Linsenkapsel ist meistens fest (Ligamentum hyaloideo-capsulare (Wiegersches Band)).
Die Linse selbst besteht aus Linsenproteinen (von der Augenlinse synthetisierte Proteine) wobei zwischen den wasserlöslichen Crystallinen und den wasserunlöslichen Komponenten (Albuminoide) zu unterscheiden ist. Die Crystalline werden nach ihrer Molekülgröße in a-, ß- und ?-Crystalline unterteilt. Die spezielle Anordnung der Linsenproteine führt zu einer sehr dicht gepackten aber durchsichtigen Augenlinse. Änderungen dieser Anordnung (Veränderung der Packungsdichte, Wassereinlagerung, Proteolyse) hat eine Trübung der Augenlinse (Katarakt, Grauer Star) zur Folge. Der durchschnittliche turn-over der Linsenproteine ist sehr niedrig. Diese Proteine werden bereits am vor der Geburt durch die Linsenkapsel vom restlichen Körper getrennt. Da diese Trennung vor der Differenzierung des Immunsystems nach der Geburt stattfindet, werden die Linsenproteine im späteren Leben immer als körperfremd angesehen und können dadurch zum Anlass für massive, entzündliche Reaktionen werden (phakogene Uveitis anterior).
Nach der Geburt besitzt die Linse keine eigene Blutversorgung mehr. Ihr fehlt auch eine Versorgung mit Nervenfasern, daher sind primär entzündliche Veränderungen an der Linse nicht möglich. Der Metabolismus wichtiger Stoffe erfolgt einzig über das Kammerwasser. Der Hauptenergielieferant ist dabei die Glukose, die über verschiedene Enzymsysteme metabolisiert wird.
Verlieren die Linsenfasern ihre Transparenz, führt dieses zur Katarakt/zu Grauem Star, was ohne Ausnahme irreversibel ist. Veränderungen in den Linsenproteinen, mit einem Grauen Star als Folge, können auch durch erbliche Missbildungen, Stoffwechselprodukte (z.B. zu viel Glukose beim Diabetes mellitus, verschiedene Nährstoff-Mangelsituationen), Abfallprodukte, Toxine (Naphtalen) und physikalische (Strahlung) oder mechanische Ereignisse (Trauma) verursacht werden. Im Verlauf der Denaturierung der Linsenproteine treten dabei ein erhöhter Wassergehalt und dem zur Folge eine Linsenschwellung auf.

Augapfel post mortem (Hund)

Die Linse (L) ist zwar viel kleiner als der Glaskörper (G), Zeichnungen (linkes Bild) stellen aber die Proportionen oft verfälscht dar. Das tatsächliche Grössenverhältnis zwischen Linse und Glaskörper im Hunde-/Katzenauge wir durch den Querschnitt durch ein Hundeauge post mortem (rechtes Bild) realistischer wiedergegeben.
Hornhaut und Linse haben zusammen eine Brechkraft von ungefähr 65 Dioptrien. Beide zusammen sorgen für die scharfe Abbildung des in das Auge einfallenden Lichts auf der Netzhaut (s. a. Fehlsichtigkeit und Akkomodation)