Liderkrankungen

Die Augenlider umschliessen bei vielen Tieren die transparente Hornhaut so vollständig, dass von der weissen Lederhaut nicht mehr viel sichtbar ist (siehe Anantomie). Die geöffnete Lidspalte ist bei den meisten Hund im Durchschnitt ca. 33 mm und bei der Katze ca. 28 mm lang.  Rund um die Lidspalte befindet sich ein zirkulärer Muskel (m. orbicularis oculi). Dieser Muskel ermöglicht den Lidschlag, an dem das Oberlid den weitaus größten Anteil hat. Einem zirkulären Lidschluss wird dabei durch ein kleines Bändchen am inneren Augenwinkel und einen Muskel am äusseren Augenwinkel (m. retractor anguli oculi lat). entgegengewirkt. Schmerzhafte Zustände am/im Auge führen zu einem sehr kräftigen, krampfhaften Lidschluß (Blepharospasmus). Dabei wird auch oft noch zusätzlich der Augapfel zurückgezogen (Enophthalmus), wodurch die Unterstützung für Ober- und Unterlid wegfällt. Dadurch kann ein sekundäres, spastisches Einwärtsrollen (Entropium) der Lider entstehen.

Fehlende Lidspalte (Ankyloblepharon)

Das Ankyloblepharon bezeichnet eine zu späte beziehungsweise fehlende Öffnung der Lider nach der Geburt. Die embryonale Gewebebrücke zwischen Oberlid und Unterlid, die sich normalerweise zwischen dem 10. und 14. Tag nach der Geburt bei Hund/Katze vollständig abgebaut, was das Öffnen der Lider ermöglicht ist, bleibt bestehen. Die Ursache für das Persistieren dieser Gewebebrücke ist nicht restlos geklärt.
Diese kongenitale Anomalie tritt nur gelegentlich und meist beiderseitig auf. Differentialdiagnostisch muss eine eitrige Entzündung der Bindehaut der noch geschlossenen Lider (conjunctivitis neonatorum) abgeklärt werden, bei der sich die noch verwachsenen Lider stark nach außen wölben und eine fluktuierende Schwellung erzeugen.

Fehlende(s) Ober-/Unterlid(er) (aplasia palpebrae)

Bei einem vollständige oder partiellen (Lidklolobom) Fehlen von Ober- und/oder Unterlid ist der Lidrand nur unvollständig oder gar nicht angelegten. Nach aller Wahrscheinlichkeit wird diese angeborene Erkrankung rezessiv vererbt. Die Aplasia palpebrae geht in vielen Fällen mit weiteren Missbildungen (z.B. Mikrophthalmie, Katarakt) einher. Es sind fast ausschließlich Katzen betroffen, am häufigsten Perserkatzen oder deren Kreuzungen. Die Tiere werden mit einer (teilweise) geöffneten Lidspalte geboren, beziehungsweise die Lidspalte öffnet sich direkt nach der Geburt. Manchmal ist der Lidrand auch vollständig angelegt und es fehlen nur die Meibomschen Drüsen. Der Lidschluss gestaltet sich dann im späteren Leben unvollständig, wodurch der entsprechende Hornhautbezirk ungeschützt ist und nicht vom Tränenfilm benetzt wird. Die angrenzenden Fellhaare haben dann auch direkten Kontakt zur Hornhaut und führen dort unweigerlich früher oder später zu Defekten der Oberfläche, welche schwerwiegend sein können. Die Irritationen zeigt sich als chronische Entzündung mit Hornhautödem, Gefäßeinsprossung, Defekten und Pigmentation.

Dermoid

Ein Dermoid (dysplasia palpebrae) ist ein displaziertes Hautstückchen unterschiedlicher Grösse, bzw. ein fehldifferenziertes oder ein missgeformtes Augenlid. Es handelt sich um sporadisch auftretende, eventuell vererbte Missbildungen, am seitlichen Lidwinkel des Unterlides.
Dabei unterbricht ein kleiner Hautwinkel oder eine Hautfalte den Verlauf des Lidrandes und schlägt sich in Richtung Bindehaut um . Dadurch wird die Lidschlagfunktion gestört und durch die fehlgestellten Haare kann es zu Hornhautirritationen kommen.

Zweite Wimpernreihe (Distichiasis)

Der Begriff Distichiasis beschreibt das Vorhandensein einzelner Haare oder mehrerer Reihen von Haaren am freien Lidrand bzw. vom Lidrand ausgehend. Es handelt sich um zusätzliche kleine Haarfollikel im Lidrand, meist innerhalb oder nahe an den Ausführungsgängen der Meibomschen Drüsen. Bei besonders harten oder auf die Hornhaut gerichteten Härchen sind Hornhautirritationen oder Hornhautschädigungen zu befürchten.  Die Irritation führt ausserdem zu einer chronisch vermehrten Tränenproduktion mit einem leichten Blepharospasmus. Distichiasis wird als eine erbliche Augenerkrankung angesehen, der Erbgang ist aber noch nicht gesichert. Distichiasis kommt bei folgenden Hunderassen häufig vor: Amerikanischen Cocker, Englischen Cocker, Boxer, Eurasier, Englische Bulldogge, Flatcoated Retriever, Pekinese, Shetland Sheepdog, Shih Tzu, Tibet Terrier. Bei Katzen sieht man eine Distichiasis fast nie.

Fehlgestellte Einzelhaare (Trichiasis)

Eine Trichiasis liegt vor, wenn Haare,zwar an normaler Position wachsen, jedoch durch ihre Fehlstellung zu Hornhaut- und/oder Bindehautirritationen führen. Dadurch kommt es zu einer Epiphora und mukopurulenten Exsudation. Häufig entstehen auch an den Stellen, an denen die Haare die Hornhaut berühren Pigmentiereungen  oder Hornhautdefekte, die sogar zur Perforation führen können. Die häufigsten Lokalisationen für Trichiasishärchen sindfolgende:
1. an der Nasenfalte, 2. am äusseren Oberlid. 3. Trichiasis der Karunkel.
Von einer sekundären Trichiasis spricht man als Komplikation der Aplasia palpebrae oder nach einer nicht ordnungsgemäß versorgten und mit Narbenbildung einhergehenden Lidrandwunde. Bei einer Vielzahl von Hunden tritt diese Abweichung (polygener Vererbungsmodus) regelmäßig auf, bzw. wird bei einigen Rassen sogar als mehr oder weniger zum Rassestandard gehörend akzeptiert!
Sonderformen sind die:
Nasenfalten-Trichiasis
Diese Form der Trichiasis kommt mehr oder weniger bei fast allen Rassen mit stark hervortretenden Augäpfeln, z.B. Pekinesen oder Shi Tzu, oft in Kombination mit einem nasalen Entropium, zu großer Lidspalte und Lagophthalmus vor. Irritationen treten vorwiegend in den inneren bis zentralen Arealen der Hornhaut auf. Zur Symptomatik gehören Epiphora, leichter Blepharospasmus, Hornhautödeme, Gefäßeinsprossung und Hornhautdefekte, an die sich Narbenbildung und Pigmentation der Hornhaut anschließen. In Kombination mit einem Exophthalmus und Lagophthalmus kommt es zu einem beschleunigten Austrocknen und einer höheren Gefahr einer Schädigung der zentralen Hornhautanteile. Dadurch entsteht bei den genannten Rassen auch oft ein zentralen Hornhautgeschwür, welches sich sehr schnell vertieft und dann bei der geringsten Belastung  perforiert. An solchen Augen bleibt im günstigsten Fall eine zentrale Hornhautnarbe zurück, während im ungünstigsten Fall das Auge verloren ist.
Trichiasis am Oberlid
Zu stark ausgebildete Kopffalten verstärken die nach innen gerichtete Kraft auf das Oberlid wenn der Kopf nach unten gehalten wird. Dadurch entsteht eine Kombination aus Trichiasis und Entropium am Oberlid. Diese Form der Trichiasis findet sich hauptsächlich bei Rassen mit vielen Hautfalten am Kopf und mit schweren, hängenden Ohren wie Bluthund, Chow-Chow, Shar Pei und vereinzelt auch beim älteren Englischen Cocker Spaniel und bei Bassets.
Die Irritationen führen zu verstärktem Tränenfluss und Blepharospasmus, der wiederum die Beschwerden verstärkt. Die Haare des Oberlids sind auf Grund dessen immer nass, dunkel verfärbt und mit Sekret verklebt. Der Lidrand ist mehr oder weniger nach innen gedreht. Die Bindehaut ist rot, geschwollen, und die Hornhaut ist irritiert und die Hornhautoberfläche beschädigt. Bleibende Folgen sind in jedem Fall starke narbige und pigmentierte Hornhautveränderungen.
Karunkel-Trichiasis
Die Tränenkarunkel, das Tränenwärzchen oder der Tränenhöcker (caruncula lacrimalis) ist ein knötchenförmiges Gebilde im nasenseitigen Lidwinkel. Die Karunkel im inneren Augenwinkel besitzt bei den Tieren normalerweise weiche, kurze, nach außen gerichtete Haare. Bei brachyzephalen Rassen (Pekinese, Shih Tzu) können diese Haare auch lang auswachsen (bis zu 10–15 mm) und den Augapfel irritieren. Auch an anderen Stellen des Lidrandes können fehlgerichtete Haare die Konjunktiva und/oder Kornea irritieren.

Rolllid (Entropium)

Als Entropium bezeichnet man ein nach innen gedrehtes Unter- oder Oberlid. Die Einrollung kann sich dabei nur über einen Teil oder aber über das gesamte Lid erstrecken. Das Entropium kann geringgradig, mittelgradig oder hochgradig sein. Manchmal ist der gesamte Lidrand in den Bindehautsack nach innen verlagert/gedreht und nicht mehr sichtbar
Die Folgen der Lidfehlstellung äußern sich in erhöhter Tränenproduktion, Blepharospasmus, Hornhautirritationen und Epiphora. Wegen der entstehenden Schmerzen wird der Augapfel zurückgezogen, was wiederum den Verlust des Kontaktes zwischen Augapfel und Lidern nach sich zieht und eine Verstärkung des Entropiums ist die Folge. Dieser Teufelskreis kann nur noch durch ein operatives Eingreifen behoben werden. Die chronische Hornhautirritation führt zur die Bildung von schleimig-eitrigem Sekret. Dort, wo die Haare die Hornhaut berühren, entstehen oftmals Hornhautdefekte oder bei der Katze auch sog. Hornhautsequester (Hornhauterkrankungen). Ein Entropium beruht wahrscheinlich auf einem gestörten Spannungsverhältnis zwischen dem Lidkreismuskel (m. orbicularis oculi) einerseits und dem Wangenmuskel (m. malaris) andererseits. Zusätzlich komplizierende Faktoren wie Form des knöchernen Schädels, Größe und Tiefe der Augenhöhle sowie Menge und Art der vorhandenen Hautfalten rund um das Auge spielen bei entsprechender Rassedisposition eine wesentliche Rolle.. Ein Entropium ist meistens die Folge eines erblichen (polygenen) Defekts.
Ein hochgradiges Entropium der Unterlider tritt häufig beim Chow Chow, Shar Pei, Bouvier, Deutschen Vorstehhund, Labrador Retriever und Rottweiler auf. In Kombination mit einer zu großen Lidspalte kommt es speziell beim Bernhardiner, bei Mastiffs und der Deutschen Dogge vor. Beim Bluthund, Chow Chow und Shar Pei ist ein hochgradiges Entropium der Oberlider in Kombination mit einer Trichiasis häufig. Ein Entropium des inneren Lidwinkels sit oft bei Pekinesen, Shi Tzu, der Englischen Bulldogge, dem Mops, Zwergpudel, Cavalier King Charles Spaniel und den Maltesern sowie bei kurznasigen Perserkatzen beobachtet.
Manchmal entsteht ein Entropium aber auch sekundär durch andere schmerzhafte Augenerkrankungen, z.B. ein Hornhautgeschwür. Ein Verlust der Stützfunktion des Lidrandes bei zu kleinem Augapfel (Mikrophthalmus, Phthisis) kann zu einem sekundären Entropium führen.

Auswärts gekipptes Lid (Ektropium), (überlange) Lidspalte (Makroblepharon)

Beim Ektropium ist der Unterlidrand nach außen gerollten, wobei nur Teile oder das gesamte Lid hiervon betroffen sein können. Von einer zu langen Lidspalte spricht man, wenn die gesamte Lidspaltenlänge deutlich größer ist als notwendig, um bei geöffnetem Auge die weisse Lederhaut zu bedecken. Eine Unterscheidung dieser beiden Lidfehlstellungen ist oft schwierig. Im Ruhezustand ist die Fehlstellung oft sehr gut sichtbar, während sich bei Aufregung des Hundes die Fehlstellung durchaus vermindert oder gänzlich „verschwindet“. Sie ist dann lediglich im lateralen Augenwinkel noch ein Übermaß an weißer Sklera sichtbar.
Das sackförmig herabhängende Unterlid, welches für beide Fehlstellungen typisch ist und 1–10 mm vom Augapfel entfernt hängt, lässt den Tränenfilm schneller verdunsten, folglich verliert er an Funktion und die Bindehautoberfläche ist vielen Umwelteinflüssen wie Staub und Luft in wesentlich höherem Maße ausgesetzt. Aus dieser Fehlstellung resultiert im leichtesten Falle eine chronische Bindehautentzündung.
Handelt es sich um einen schwerwiegenden Fall so verlieren die Lider seitlich und nasenwärts ihre physiologische Spannung und den unterstützenden Kontakt mit dem Augapfel, wodurch dort dann ein gering bis hochgradiges Entropium ausgelöst werden kann. Das Endergebnis ist eine chronische, eitrige Bindehautentzündung.
Das Krankheitsbild wird fast ausnahmslos auf polygenem Wege vererbt. Ektropium und/oder Makroblepharon werden in den Anforderungen einiger Rassestandards leider toleriert oder sogar propagiert.
Prädisponierte Rassen sind z. B. der Amerikanische Cockerspaniel und der Boxer.

Verengung der Lidspalte (Blepharophimose)

Die Blepharophimose ist oft von einem Entropium des Oberlides begleitet und wird vereinzelt bei Zwergrassen beobachtet (Schipperke, Zwergpinscher). Bei Katzen ist sie unbekannt. Bei der meist unilateralen Blepharophimose ist die Lidspalte des betroffenen Auges 2–5 mm kürzer als die des anderen Auges. Im Vordergrund der Erkrankung stehen die chronische Konjunktivitis, welche auf medikamentelle Therapien nicht anspricht, solange die zu Grunde liegende mechanische Abweichung nicht behoben wird.
Herunterhängendes Lid (Ptosis)
Der Grad des Herunterhänges des Oberlides variiert von einer kaum zu bemerkenden Asymmetrie bis hin zu einem  geschlossenen Auge reichen. Ursächlich kommen eine Innervationsstörung des m. levator palpebrae  oder eine pathologische Veränderung am Muskel selbst in Frage. Gründe hierfür können sein: Traumata, Paralyse, Hormonstörungen, Horner-Syndrom und diverse Muskelerkrankungen. Eine gezielte Behandlung ohne nähere Kenntnis der Ursache ist kaum möglich.

Unvollständiger Lidschluss/Hasenauge (Lagophthalmus)

Beim Lagophthalmus liegt eine Schädigung des n. facialis mit Lähmung des m. orbicularis oculi vor. Ein Lagophthalmus wird auch bei kurzköpfigen Rassen mit stark hervortretenden Augen, z.B. Pekingese, Perserkatze, beobachtet. Durch die immer offenstehenden Lider reißt der Tränenfilm in der Hornhautmitte rascher auf und es kommt zu einer örtlichen Austrocknung. In der Folge kommt es zu chronische Hornhautirritationen, Gefäßeinsprossung, Granulationsgewebe, Pigmentierung und letztendlich zur Sequesterbildung (Katzen). Der Lagophthalmus  darf nicht mit einer Proptosis oder einer Protrusio verwechselt werden.

Entzündung der Lider (Blepharitis)

Entzündungen der Lider entstehen durch Traumata, Infektionen, direkte oder indirekte Überempfindlichkeitsreaktionen oder andere Ursachen und werden in spezifische und unspezifische Formen eingeteilt. Sind die Lidranddrüsen (glandulae tarsales) mit in die Entzündung einbezogen, so spricht man von einer Blepharitis adenomatosa (Meibomitis), oder Tarsitis.
Unspezifische Formen
kommen regelmäßig vor. Während beim Hund häufig Infektionen mit Demodexmilben eine Rolle spielen, sind bei der Katze meist bakteriell infizierte Verletzungen vnach Katzenkämpfen die Ursache.
Im akuten Verlauf können die Schwellung und der Schmerz innerhalb von wenigen Minuten auftreten, z.B. als Folge eines Insektenstiches, in sehr seltenen Ausnahmefällen auch nach der Applikation von Augensalben oder Augentropfen (allergische Reaktion auf Konservierungsmitteln).
Der chronische Verlauf ist durch langsam entstehende Schwellung, Haarverlust, Rötung, eventuell Defekte, Pustelbildung und Juckreiz gekennzeichnet. Diese Fälle können sich als sehr hartnäckig und schwierig in der Behandlung herausstellen. Zur Diagnosefindung werden in der Regel neben einem Hautgeschabsel für die parasitologische Untersuchung auch Proben für eine bakteriologische und mykologische Untersuchung sowie für ein Antibiogramm entnommen.
Spezifische Formen
Zu den definierten, spezifischen Formen der Lidentzündungen gehören das Hordeolum, Chalazion, die Blepharitis adenomatosa, Lidgranulome und das eosinophile Granulom

Hagelkorn (Chalazion) und Gerstenkorn (Hordeolum)

Das Chalazion ist eine derbe, feste, lokal begrenzte, nicht schmerzhafte Entzündung, als Reaktion auf eine überfüllte Lidranddrüse. Ein Hordeolum ist ein Abszess (meist die Folge einer Staphylokokkeninfektion) in einer Lidranddrüse. Das Chalazion ist eine ca. 2–5 mm große, derbe, nicht schmerzhafte runde Schwellung an der Innen- und Außenseite des Lidrandes. Beim Hordeolum sind die Anzeichen der Entzündung (Rötung) insgesamt deutlicher zu erkennen. Oft zeigt sich nach einigen Tagen als ein zentraler Eiterpunkt, der dann schließlich spontan aufbricht und der Eiter sich entleert. Beim Hordeolum internum ist der Eiter in den Meibomschen Drüsen durch die Konjunktiva hindurch zu erkennen und es bricht in der Regel nach innen (zur Bindehaut hin) durch. Ein Hordeolum externum, ausgehend von den Zeisschen oder Mollschen Drüsen, ist mehr an der Außenseite des Lidrandes gelegen. Differentialdiagnostisch kommen Gewebsneubildungen in Betracht, die jedoch meist auf dem Lidrand lokalisiert sind.

Blepharitis adenomatosa

Bei diesen entzündlichen Veränderungen sind mehrere Lidranddrüsen gleichzeitig betroffen und das erkrankte Lid ist flächig/insgesamt in den Krankheitsprozess einbezogen. Häufig handelt es sich um Infektionen durch Staphylokokken, gegen die ein Patient (oft bei Welpen) eine nur ungenügende Immunität aufgebaut hat.

Lidgranulome

Hierbei handelt es sich um langsam sich ausbreitende, leicht verdickte, rosarote haarlose Stellen ohne Juckreiz, oft 5–10 mm vom Lidrand entfernt gelegen und am Lidwinkel beginnend. Diese Flecken ähneln den Veränderungen einer Leckdermatitis/einem Leckgranulom oder können mit dem Bild der „Collie-Nose“ verglichen werden. Möglicherweise gehört diese Erkrankung auch zu der Gruppe der autoimmunbedingten Dermatosen (z.B. pemphigus). Meist sind keine weiteren Hautveränderungen am Körper zu finden. Der Urspung kann eventuell mit Hilfe der Histologie oder des Immunfluoreszenz-Testes ermittelt werden.

Eosinophiler-Granulom-Komplex

Das eonophile Granulom ist ein granulierender bzw. ulzerierender Prozess an den Lippen der Katze. Ausnahmsweise können sich analoge Veränderungen auch an den Lidrändern manifestieren. Die Veränderungen können aus gut abgegrenzten, erythematösen, fakultativ ulzerierenden Zubildungen mit und ohne Juckreiz bestehen. Am häufigsten ist jedoch die Hornhaut häufiger betroffen. Dort können graue bis hochrote bis beetartige Auflagerungen auf der Hornhaut entstehen. Die Ätiologie ist meistens nicht bekannt. Seltene Ursachen sind Infektionen, Atopie und Futterallergien. Die Veränderungen können aus gut abgegrenzten, erythematösen, fakultativ ulzerierenden Zubildungen mit und ohne Juckreiz bestehen

Gewebsneubildungen (Neoplasien)

Neubildungen des Gewebes /“Tumoren“ treten beim Hund häufig, bei der Katze dagegen nur selten auf. In 80–90% der Fälle handelt es sich beim Hund um gutartige Adenome oder Epitheliome der Meibomschen Drüsen. Kleine, gestielte, blumenkohlartige Neoplasien am Lidrand gehen meist vom Drüsenepithel (Zeis, Moll, Meibomsche Drüsen) oder vom Lidrandepithel selbst aus. Auch dies sind meistens der Fälle gutartige Adenome. Virusbasierte Papillome können ähnlich aussehen, hängen aber eher am Epithel der Lidaußenseite. Durch den Lidschlag kann eine Zubildung Hornhautreizungen verursachen. Bei der Katze sind Lidrandzubildungen oftmals bösartig (Plattenepithelkarzinome, Basalzellkarzinome). Bei der Katze besteht auch Verwechslungsgefahr mit Veränderungen im im Zusammenhang mit dem Eosinophilen-Granulom-Komplex. Primär unpigmentierte oder weiße Hautbezirke entarten häufiger zu Karzinomen (Zusammenhang mit UV-Licht-Überempfindlichkeit). Karzinome können anfangs als eine gerötete Stelle auftreten, die, langsam wachsend, zu einem ulzerierenden Defekt am Lidrand wird. Die genaue Diagnose wird durch die histologische Untersuchung einer Biopsie abgesichert.