Bindehaut

Bindehaut (conjunctiva) und drittes Augenlid (membrana tertia)

Zwischen Lidrändern und Augapfel liegt eine dünne, transparente Schleimhaut (conjunctiva) meist als Bindehaut bezeichnet. Im inneren Augenwinkel bildet diese Bindehaut eine Duplikatur/Konjunktivalfalte, das dritte Augenlid oder Nickhaut genannt (membrana nictitans, m. tertia). Bei Tieren mit weißem Fell und weißen Haaren an den Augen und/oder unpigmentierten Lidrändern ist der Rand der Nickhaut häufig unpigmentiert, ansonsten immer schwarz pigmentiert. Konjunktiva an der Innenseite der Nickhaut wird als okuläre, an der Außenseite als Lidbindehaut (conjunctiva palpebrae) und die Konjunktiva über der Lederhaut als bulbäre oder sklerale Konjunktiva (conjunctiva bulbi) bezeichnet.

Der von der Konjunktiva umschlossene Bereich wird Konjunktivalsack  genannt. Die Umschlagstelle der Konjunktiva unter dem Oberlid und Unterlid nennt man unteren und oberen Fornix (fornix superio und inferior). Dort münden die Ausführungsgänge der Hauptränendrüse (glandula lacrimalia) und im unteren Fornix der akzessorischen Tränendrüse (glandula membranae tertiae). Die Verbindung zwischen der in Falten liegenden Bindehaut und dem darunter liegenden Gewebe ist sehr lose und locker, wodurch sich der Augapfel sehr frei bewegen kann. Ausserdem trägt das zur Vergrößerung der sekretorischen Oberfläche bei. Fixpunkte der Bindehaut sind lediglich im Bereich des Übergangs (limbus) des Epithel der Konjunktiva in das Epithel der Hornhaut, und am Lidrand vorhanden. Die Konjunktiva ist ebenso wie die Hornhaut aus epithelialem und stromalem Gewebe aufgebaut. Ausgehend von der Basalschicht erneuert sich das permanent. Abgestorbene Epithelzellen sammeln sich mit dem Schleim im oberen und unteren Fornix, um anschließend als kleiner Schleimpfropf im inneren Lidwinkel abgesondert zu werden.

In der tieferen Gewebeschicht befinden sich auch das Blutgefäßsystem der Bindehaut und das lymphatische Gewebe, das bei jeglicher Art von Irritationen sofort aktiviert wird (stärkere Durchblutung/Rötung).

Eine aktive Bewegung der Nickhaut ist bei der Katze nur in geringem Maße und beim Hund fast gar nicht möglich, d. h. ein Vorfall/Hochschieben der Nickhaut (Vorfall) ist immer passiv und hat seine Ursache im Einsinken des Augapfels in die Augenhöhle (Enophthalmus) oder in einer retrobulbären Druckerhöhung.

Die Bindehaut des Auges und insbesondere das dritte Augenlid haben eine wichtige Aufgabe beim Aufbau des Tränenfilms der Hornhaut und stellen einen nicht unerheblichen direkten und indirekten Schutz für das Auge dar. Daher darf die Nickhaut nicht ohne strenge Indikationsstellung entfernt werden! Denn es muss dann mit dem erhöhten Risiko eines sog. „trockenen Auges“ (KCS, keratoconjunctivitis sicca) und der daraus resultierenden Notwendigkeit einer lebenslangen medikamentellen Behandlung (u. a. mit Tränenersatzflüssigkeit) gerechnet werden.