Augenumgebung

Erkrankungen der Augenumgebung (periorbita)

Erkrankungen, welche die äusseren und inneren Strukturen der Augen primär nicht betreffen, aber durch ihr Fortschreiten sekundär die Sehkraft oder sogar bei ungünstigem Verlauf, die Existenz des gesamten Auges in Frage stellen können. 

Traumata

Stumpfe und scharfe mechanische Einwirkungen auf den Kopfbereich (Autounfall, Beisserei, Sturz usw) können Strukturen der unmittelbaren Umgebung der Augen involvieren. Auch wenn primär keine Strukturen des Auges selbst betroffen zu sein scheinen, können sich Stunden oder Tage später fortgeleitete Erkrankungen der Bindehaut, der Hornhaut oder des inneren Auges manifestieren (Konjunktivitis, Keratitis, Uveitis, Linsenerkrankungen).

Polytraumatisierte Katze nach Autounfall Dieselbe Katze nach einigen Tagen Therapie Hund im Wald von Jäger mit Schrot angeschossen

Diagnostik

Dazu gehören bei traumatisierten Patienten die sorgfältige Untersuchung der äusseren und inneren Anteile des Auges, das vorsichtige Abtasten der Augenumgebung und ev. die Messung des Augeninnendrucks. Ergänzende Untersuchungen sind Ultraschall, Röntgen und ev. CT/MRT.

Therapie

Neben der u. U. lebenswichtigen Schocktherapie (Infusion, Kontrolle Herz und Lungenfunktion, Wundversorgung/Blutstillung) sollte eine systemische Gabe von Entzündungshemmern, eine systemische/lokale Antibiose (Augentropfen/-salben) und ggf ein Mydriatikum (Atropin) verabreicht werden. Der Verlauf der Therapie sollte in kurzen Intervallen kontrolliert werden.

Hauterkrankungen

Viele lokale und generalisierte Hauterkrankungen können direkten und indirekten Einfluss auf die Integrität und die Funktionen der Augen haben. Die meisten Veränderunge an den Augen sind temporär, d. g. sie verschwinden mit dem Abheilen der Hauterkrankung wieder. Besteht eine Hauterkrankung aber sehr lange oder hat sie gravierende Veränderungen am Auge selbst zur Folge, so können auch irreparable Folgen auftreten (z. B. Narbenbildung). welche zu Funktionseinschränkugen/-verlusten führen können.

Welpe mit Demodikose (Räudemilben), chronische Lidrandentzündung Katzenwelpe mit „Katzenschnupfen“ (Akute Entzündung der Lider, Bindehaut und Hornhaut) Hund mit chronischer Entzündung der Lidanhangsdrüsen (Meibomiitis) Staphylokokkeninfektion
Katze mit chronischer Follikulitis der Gesichtshaut und konsekutiver chronischer Bindehautentzündung sowie Blepharospasmus beider Augen Schäferhund mir Pemphigus vulgaris (Autoimmunerkrankung) und sekundärerchronsicher eitriger Bindehautenzündung Yorkshire mir Pemphigus foliaceus (Autoimmunerkrankung) und sekundärem Verschluss der Tränenableitenden Wege (Tränen-Nasen-Kanal)

Diagnostik

Zu den dermatologischen/internistischen Untersuchungen kommen in der Regel Abstriche und ev. Hautgeschabsel für die Laboruntersuchung. Wichtig ist die sorgfältige Untersuchung der Augen im Hinblick auf Gewebsverklebungen /verwachsungen und zwischen Lidern/Bindehaut und Hornhaut, das diese ggf. irreversibel sind, wenn sie längere Zeit bestehen. Wichtig ist auch die Messung der Tränenproduktion (Schirmertest) um sicherzustellen, dass ausreichend Tränen vorhanden sind.

Therapie

Im Vordergrund steht die Therapie der Grunderkrankung. Hier kommen entsprechende systemische und topische Medikamente zum Einsatz. Parallel dazu sollten die Augen mit geeigneten! Spüllösungen regelmässig gereinigt werden. Antibiotische Augensalben bei eitrigen Prozessen der Lider/Bindehaut/Hornhaut müssen mehrmals täglich verabreicht werden. Zusätzlich können desinfizierende Augensalben hilfreich sein. Tränenersatzprodukte (Hyaluronsäurepräparate) können unterstützend über längere Zeit bedenkenlos gegeben werden. Nach Rückgang der primären Symptome kann eine Spülung der Tränenkanäle angezeigt sein.

Zahnerkrankungen

Erkrankungen der Backenzähne (massiver Zahnstein, Zahnfrakturen, Zahnwurzelabszesse) und des Zahnfleisches (Paradentitis und Paradentose) im Oberkiefer sowie eingespiesste, wandernde Fremdkörper im Oberkiefer können die Ursache für Phlegmonen und Abszessbildungen im Bereich der Augenhöhle werden. Der Abstand der Zahnwurzeln des Reisszahnes von der knöchernen Augenhöhle beträgt  beim Hund nur wenige Millimeter.

Schwellung unterhalb des Unterlides, schmerzhafter Lidschluss, Chronische Bindehautentzündung, Phlegmone unterhalb des Unterlides Ursache der Phlegmone ist eine eintrige Zahnfistel oberhalb des Reisszahns nach massivem Zahnsteinbefall und Paradentose Einsinkender Augapfel und maasive Lidfehlstellung mir starker Seheinschränung nach Narbenbildung oberhalb des Obelids nach Beisserei
Vorwölbung der Schleimhaut hinter dem letzten Backenzahn des Oberkiefers mit Fistelöffnung (Pfeil) bei einem Hund mit schmerzhaftem Auge Aus der Fistelöffnung entleert sich eine grosse Menge Schleim und Eiter Typische Lokalisation für eine Vorwölbung/istel unterhalb der Lidspalte bei vorhandener Zahnfraktur und Wurzelspitzenentzündung des Reisszahnes im Oberkiefer links, chronische Bindehautentzündung und eitriger Ausfluss aus der Lidspalte

Diagnostik

Bei chronischen Erkrankungen des Auges ohne erkennbare Ursache im Bereich des Auges selber muss immer die Maulhöhle kontrolliert werden. Nicht selten findet man die Ursache für eine primär nicht zu erklärende Augenerkrankung im Bereich hinter den Backenzähnen des Oberkiefers. Eingespiesste Fremdkörper, Verletzungen und Fisteln in diesem Bereich stehen u. U. in ursächlichem Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen der Bindehäute oder sogar des inneren Auges auf der selben Seite. Neben der klinischen Untersuchung (fast immer ist eine Narkose erforderlich!) können Röntgenaufnahmen und/oder ein CT/MRT bei der Abklärung hilfreich sein.

Therapie

Wurde ein fortgeschrittener entzündlicher Prozess diagnostiziert, ist immer eine chirurgische Therapie anzustreben. Dabei können in Narkose ev. vorhandene Fremdkörper entfernt werden, Abszesse gespalten werden oder Drainagen eingelegt werden. In vielen Fällen muss auch ein frakturierter oder entzündeter Backenzahn, der als Ursache röntgenologisch identifiziert wurde, extrahiert werden. Eine begleitende antibiotische Therapie ist empfehlenswert, die lokale Behandlung der Augenentzündung darf als Begleitmassnahme nicht vergessen werden.

Tumoren

Tumoren im Bereich rund um das Auge haben ihren Ursprung sehr oft in der Haut oder ihren Anhangsorganen. In seltenen Fällen können auch raumfordernde Prozesse im Bereich der Nasennebenhöhlen zu Problemen am gleichseitigen Auge führen (z. B. Verlegung des Tränen-Nasen-Kanals, Nickhautvorfall, Veränderung der Lidspalte.)

Tumor (Histiozytom) im Bereich des inneren Augenwinkels bei einer Katze. Perserkatze mir mehreren Melanomen im Bereich der Haut der inneren Augenwinkel rechts und links. Grosser Tumor unterhalb des Unterlids in der Haut/Faszie mit Einengung des Tränen-Nasen-Kanals, Nickhautvorfall und Verkleinerung der Lidspalte

Diagnostik

Gutartige (benigne) und bösartige (maligne) Gewebszubildungen (Tumore) kommen bei Hund und Katze rund um die Augenhöhle vor.  Cirka 35% aller Tumore der Haut sind bösartig. Zu den am häufigsten auftretenden Tumoren gehören:

Mastzelltumor
Plattenepithelkarzinom
Melanom
Fibrosarkom
Hämangioperizytom
Weniger häufig treten auf:Kutanes Lymphom

Papillom
Adenom
Lipom
Talgdrüsenadenom/-hyperplasie
Histiozytom
Basalzellkarzinom

Gutartige Tumoren wachsen i. d. R. langsamer, sind meist nicht schmerzhaft und gut verschieblich. Bösartige Tumoren wachsen häufig schneller und sind eher mit den umliegenden Gewebsstrukturen verwachsen.

Tumore können nach folgenden Kriterien beurteilt werden:
Lokalisation
Größe
Verschieblichkeit
Vorhandensein von Ulzerationen
ggf. Vorhandensein von Juckreiz
Für die Entscheidung zur Operation kann eine Gewebeuntersuchung entscheidend sein. Eine einfache, schnelle und in den meisten Fällen ohne Narkose durchführbare diagnostische Maßnahme ist eine Zellenentnahme mittels Feinnadelaspiration (FNA).

Therapie

Bei der Durchführung einer chirurgischen Massnahme im Bereich rund um ein Auge muss immer berücksichtigt werden, ob durch die Gewebeentnahme Folgen für die anatomische Integrität und die Funktion des Auges auftreten könnten (Verkleinerung der Lidspalte, Unvermögen ein Lid zu bewegen usw). Dementsprechend muss die Operation so gewebsschonend wie möglich, gleichzeitig aber auch so radikal wie nötig/möglich durchgeführt werden. Manchmal ist eine Gewebetransplantation erforderlich, in seltenen Fällen kann es sogar sein, dass die Entfernung eines bösartigen Tumor nur unter gleichzeitiger vollständiger Entfernung des Augapfels möglich ist.